Forschungsbereich Valentina Ausserladscheider

Klimawandel, Märkte und Gesellschaft ist ein Forschungsschwerpunkt, der untersucht, wie politische und wirtschaftliche Akteure auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren. Wir analysieren das sich wandelnde Zusammenspiel zwischen klimabezogenen Risiken, politischen Entwicklungen und Marktdynamiken – und wie diese Prozesse sowohl gesellschaftliche Werte als auch ökonomische Strukturen prägen und widerspiegeln. Durch die Untersuchung gesellschaftlicher Reaktionen in verschiedenen Märkten möchten wir eine fundierte, empirisch gestützte Analyse darüber liefern, wie zeitgenössische Gesellschaften – in Politik, Wirtschaft und Alltagsleben – mit dem Klimawandel umgehen.

Derzeit arbeiten wir an zwei zentralen Forschungsprojekten:

SCAST - Klimaanfälligkeit im Wintertourismus und deren Bewältigung

in Zusammenarbeit mit Luis Willis (Universität Wien), Robert Steiger (Universität Innsbruck) und Katharina Pöll (Universität Innsbruck)

Abstract:
Österreichs Bergregionen sind in weiten Teilen abhängig vom Einkommen aus dem Wintertourismus, welcher stark vom Klimawandel beeinflusst wird. Einige der traditionellen Skidestinationen haben bereits vielfältige Anpassungsmaßnehmen vorgenommen, während andere einzig und allein auf künstliche Beschneiung setzen. SCAST hat sich zum Ziel gesetzt, den Status Quo und das Potenzial der Klimawandelanpassung in Österreichs Skidestinationen zu evaluieren. Dazu identifiziert das Projekt Faktoren, welche zur Anpassung beigetragen haben und solche, die Anpassung verhindert haben. Unter Verwendung eines Mixed Methods Ansatzes, werden primäre und sekundäre quantitative Daten mit qualitativen Daten aus Expert*inneninterviews sowie Stakeholderworkshops kombiniert. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass auch schwer quantifizierbare Bereiche der Klimawandelanpassung, wie etwa soziale und politische Beziehungen zwischen Akteur*innen in den Skidestinationen berücksichtigt werden. Auftraggeber: FFG


Die Institutionalisierung von Sustainable Finance auf europäischen Kapitalmärkten 

Dominik von Gehlen

Abstract:
Das Forschungsprojekt untersucht die Institutionalisierung von Nachhaltigkeit auf dem europäischen Kapitalmarkt und beleuchtet, wie Nachhaltigkeit in finanzieller Hinsicht sozial konstruiert wird. Auf Grundlage eines diskursiv-institutionalistischen Ansatzes analysiert das Projekt, wie Offenlegungsvorschriften, die Finanzakteure dazu verpflichten, die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten in ihre Anlageprozesse zu dokumentieren, ein bestimmtes Verständnis von Nachhaltigkeit prägt. Anhand eines qualitativen Forschungsdesigns, das halbstrukturierte Interviews mit Akteuren des gesamten Marktes für nachhaltige Finanzierungen, eine Dokumentenanalyse von Fondsprospekten sowie Beobachtungen bei Investorenkonferenzen und Webinaren kombiniert, zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeit durch ein breites Netzwerk von finanz- und nicht-finanzakteuren Akteuren konstruiert und legitimiert wird. Mit empirischem Fokus auf den europäischen Fondsmarkt zeigt das Projekt, dass Nachhaltigkeit ein dynamisches Konzept ist, das sich als Reaktion auf kontextuelle Belastungen wie geoökonomische und geopolitische Umbrüche neu konfiguriert. Als Beitrag zur politischen Ökonomie der nachhaltigen Finanzwirtschaft argumentiert das Projekt, dass die auf Offenlegung basierende Regulierung Nachhaltigkeit eher als Legitimationskategorie denn als substanzielle Einschränkung institutionalisiert, das Finanzakteure ermöglicht Nachhaltigkeitsbehauptungen, auch in Zeiten von sich wandelnden geopolitischen und Marktbedingungen, aufrechtzuerhalten.