Markteffizienz und Arbeitnehmermitspracherechte
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Projektleiter: Franz Traxler (Universität Wien)
Projektteam: Sonja Strohmer (Universität Wien), Bernd Brandl (Universität Wien), Vera Glassner (Universität Wien), Guglielmo Meardi (Warwick Business School), Manfred Krenn (FORBA)
Auftraggeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk), Forschungsprogramm >node< (New Orientations for Democracy in Europe)
Laufzeit: 2006-2009
Ziele
Multinationale Unternehmen können innerhalb Europas die Zielländer ihrer Investitionen frei wählen. Dies hat zu einer starken Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen (aDI) in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) seit dem Beginn der 1990er Jahre geführt. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind Gegenstand intensiver öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten.
Die EU versucht mit Förderprogrammen eine Stärkung des „sozialen Dialogs“ (als Institutionalisierung der Mitspracherechte der ArbeitnehmerInnen) in den MOEL herbeizuführen und somit das Europäische Sozialmodell zu etablieren. Dabei werden auch Hoffnungen auf die Unterstützung durch die aDI westeuropäischer Unternehmen in den MOEL gesetzt.
Diese Entwicklungen werfen zwei entscheidende Fragestellungen auf:
- In welcher Weise beeinflussen die Eigentümlichkeiten der Arbeitsbeziehungen als Standortfaktoren die Auswahl von Zielländern für aDI?
- Welche Auswirkungen haben aDI auf das System der Arbeitsbeziehungen (insbesondere auf die Mitsprache- und Repräsentationschancen der ArbeitnehmerInnen) in den Ziel- und Herkunftsländern der Investitionen?
Diesen beiden Fragestellungen liegt die Annahme zugrunde, dass aDI nicht nur Einfluss auf das Zielland nehmen, sondern – über Rückkoppelungseffekte – auch auf das Herkunftsland.
Beschreibung des Vorhabens
Die erste Fragestellung lässt sich am besten in einem quantitativen, multivariaten Forschungsdesign analysieren. Diese Untersuchung bezieht sich auf aDI US-amerikanischer Unternehmen in Europa im Zeitraum von 1990 bis 2005.
In einem qualitativen Forschungsdesign wird der zweiten Forschungsfrage nachgegangen. Gegenstand der Feldstudie sind Mutterkonzerne aus der Dienstleistungsbranche und der Industrie und deren Tochtergesellschaften in der Tschechischen Republik oder in der Slowakei. Die Mutterkonzerne haben ihren Sitz in Deutschland, Österreich und dem Vereinigten Königreich. Im diesem Forschungsprojekt möchten wir insbesondere den möglichen Einfluss der Branche, der Ziele der Investition, dem Investitionstyp (Brownfield/Greenfield) und ihre geschlechtsspezifischen Auswirkungen untersuchen.
Meilensteine und erwarteter Nutzen
Aus der Untersuchung der Einflussfaktoren der Standortentscheidung für aDI ergibt sich ein wichtiger Erkenntniszugewinn für politische Entscheidungsträger als auch für die wissenschaftliche und politische Debatte um Standortwettbewerb und soziales Dumping innerhalb Europas. Falls Unternehmen bei ihren Investitionen innerhalb Europas im Wesentlichen niedrigen Lohnkosten und schwach ausgeprägten Kollektivvertragssystemen die größte Bedeutung beimessen, so ist die Gefahr der Schwächung des Europäischen Sozialmodells gegeben. Außerdem liefert das Projekt Anhaltspunkte, wie sich aDI auf das System der Arbeitsbeziehungen in Ziel- und Herkunftsland der aDI auswirken. Die Untersuchung soll sich dabei auch insbesondere den Rahmenbedingungen, die die Stärkung der Arbeitsbeziehungen in den MOEL durch aDI fördern, widmen und aufzeigen, welche Entwicklungen oder Initiativen als aussichtsreich für die Demokratisierung der Arbeitswelt und im Umgang mit den negativen Konsequenzen des Standortwettbewerbs erlebt werden. Gleichzeitig sollen auch bremsende Faktoren herausgearbeitet werden.

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