Die Bestimmungsfaktoren des Lohnverhandlungssystems
Projekthomepage
Auftraggeber: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Laufzeit: 2003-2006
Projektleitung: Franz Traxler (Universität Wien)
Projektteam: Bernd Brandl, Ines Hofbauer, Vera Glassner, Alice Ludvig (alle Universität Wien)
International vergleichende Studien stimmen darin überein, dass Österreichs Lohnpolitik durch einen hohen Grad an makroökonomischer (sektorübergreifender) Koordinierung gekennzeichnet ist, obwohl die Lohnabschlüsse auf Branchen/Sektorebene verhandelt werden. Danach ist für Österreich ein vergleichsweise dezentraler Mechanismus der Lohnkoordinierung charakteristisch. Dabei handelt es aus komparativer Sicht um ein unübliches Arrangement, da Dezentralisierung und Koordinierung der Lohnpolitik nur schwer zu vereinbaren sind. Infolge der beachtlichen Unterschiede in der wirtschaftlichen Situation der einzelnen Sektoren wäre zu vermuten, dass nur die Zentralisierung der Lohnverhandlungen geeignet ist, die intersektorale Koordinierung der Lohnbildung zu sichern. Im Gegensatz dazu scheint in Österreich die Koordinierung auf der Lohnführerschaft der Metallindustrie zu beruhen. Dieses Projekt untersucht diesen Prozess der Lohnführerschaft in bezug auf drei Fragen: (1) Überprüft wird die Effektivität der Lohnführerschaft, d.h. die Frage inwieweit die Metallindustrie die Lohnbildung in den übrigen Sektoren tatsächlich beeinflusst. (2) Es werden die Gründe dafür untersucht, die die tarifpolitischen Akteure dazu veranlassen, ihre Lohnpolitik am Prinzip der Lohnführerschaft zu orientieren. (3) Ausgehend von einem international vergleichenden Forschungsdesign untersucht das Projekt, ob und in welcher Weise sich die sozioökonomischen Effekte der Lohnführerschaft von anderen, alternativen Formen der Lohnpolitik unterscheiden.
Durch die europäische Integration werden diese Fragen sowohl aus österreichischer als auch aus komparativer Sicht besonders relevant. Für Österreich lassen die Projektergebnisse Rückschlüsse auf die Zukunft der Lohnführerschaft zu, insbesondere auf ihre Chance, die Herausforderung wachsender intersektoraler Unterschiede im Gefolge der europäischen Integration zu bewältigen. Aus komparativer Sicht ist das Projekt relevant, weil die gesamteuropäische Koordinierung der Lohnpolitik allgemein als die eine von zwei sinnvollen Strategien zur Akkordierung der Lohnpolitik mit den Erfordernissen der Währungsunion betrachtet wird. Da die Zentralisierung der Lohnbildung auf gesamteuropäischer Ebene infolge der vielfältigen Unterschiede in den nationalen Lohnpolitiken nicht machbar ist, ist in der Währungsunion nur eine dezentrale Form der Koordinierung denkbar. Die Projektergebnisse zu den drei oben skizzierten Fragen können zur Klärung der Voraussetzungen und Erfolgsaussichten einer transnationalen, dezentralen Koordinierung der Lohnpolitik in der Währungsunion beitragen.

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