Flexible Entgeltsysteme, Arbeitsbeziehungen und Tarifsystem
Projekthomepage
Auftraggeber: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Laufzeit: 2004-2007
Projektleitung: Franz Traxler (Universität Wien)
Projektteam: Barbara Bechter und Wolfgang Geißler (beide Universität Wien)
Seit längerer Zeit unterliegt die Lohnbildung zwei generellen Trends: Dies ist zum einen die Dezentralisierung (d.h. die "Verbetrieblichung") der Lohnpolitik und zum anderen die wachsende Verbreitung flexibler (leistungsbezogener) Entgeltsysteme (FES). Zwischen diesen beiden Trends besteht insofern ein Zusammenhang, als die Anwendung von FES die Verbetrieblichung der Lohnbildung begünstigt. Die Verbreitung von FES ist ihrerseits Bestandteil "moderner" Konzepte des Human Resource Management, die sich als Alternative zu traditionellen Formen der Personalpolitik und der kollektiv(tarif)vertraglichen Regelung der Löhne verstehen. Deshalb wird befürchtet, dass die Verbreitung von FES grundsätzlich nicht bloß zur Dezentralisierung, sondern zum Verfall der Kollektivvertragssysteme führen. Im Gegensatz dazu zeigt der internationale Vergleich keinen generellen Verfall dieser Systeme. Damit stellt sich die Frage nach der Wechselwirkung zwischen FES und dem Kollektivvertragssystem. Angesichts der beträchtlichen Länderunterschiede in der Ausgestaltung des Kollektivvertragssystems ist eine Grundannahme dieses Projekts, dass sich die nationalen Kollektivvertragssysteme in ihrer Fähigkeit zur Regulierung der FES unterscheiden und ihrerseits auch die Auswirkungen der Verbreitung der FES auf die Kollektivvertragssysteme mit dem Typus dieser Systeme variieren.
Dieses Thema hat gesamteuropäische Bedeutung. Denn einerseits gilt der Kollektivvertrag als Bestandteil des "europäischen Sozialmodells"; andererseits werden FES als Instrumente zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas betrachtet. Anders formuliert geht es um die Frage nach der Vereinbarkeit sozial- und wirtschaftspolitischer Zielsetzungen.
Angesichts der fortbestehenden Unterschiede in den nationalen Kollektivvertragssystemen und den internationalen Trends der Verbetrieblichung und Flexibilisierung der Lohnpolitik erfordert die Untersuchung dieser Fragen einen international vergleichenden Forschungsansatz. Dieses Projekt geht von einem solchen Ansatz aus, indem es die Wechselwirkung zwischen FES und Kollektivverträgen auf der Grundlage eines Vergleichs von Österreich, Norwegen und Großbritannien untersucht. Die Auswahl dieser 3 Länder beruht auf dem Umstand, dass sie sich in ihren Kollektivvertragssystemen deutlich voneinander unterscheiden.

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