Arbeitsbeziehungen, wirtschaftliche Internationalisierung und Wettbewerbsfähigkeit
Auftraggeber: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Wien, Laufzeit: 1994-1997
Projektleitung: Franz Traxler, Emmerich Tálos
ProjektmitarbeiterInnen: Sabine Blaschke, Bernhard Kittel, Stephan Lengauer, Ernst Zeiner
Gegenstand dieses Forschungsprojekts ist der Einfluß wirtschaftlicher Internationalisierung auf die nationalen Systeme der Arbeitsbeziehungen und deren Wirkung auf die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften. Dabei wird von zwei Leithypothesen ausgegangen.
- Im Gegensatz zu populären Auffassungen, daß wirtschaftliche Internationalisierung zu einem fortschreitenden Verfall (Disorganisierung) kollektiver Regelungssysteme führt, ist Varietät und Differenz im internationalen Vergleich das Charakteristikum für den Entwicklungsstand der Arbeitsbeziehungen und Divergenz der vorherrschende Trend ihrer Entwicklung.
- In dem Maß, in dem Varietät und Divergenz unter den nationalen Systemen der Arbeitsbeziehungen vorherrschen, ist zu erwarten, daß diese Systeme - bedingt durch ihre je spezifischen Regelungsarrangements - einen signifikanten Einfluß auf die Diskurse über Wettbewerbsfähigkeit wie auch unmittelbar auf die wirtschaftliche Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit des betreffenden Landes nehmen.
Die empirische Überprüfung dieser Hypothesen erfolgt im Rahmen von drei Projektteilen: Projektteil A untersucht mittels komparativ-quantitativen Methoden die Strukturen der Arbeitsbeziehungen, ihre Veränderungen und ihre Effekte auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für 20 OECD-Länder im Zeitraum von 1970-90. Die Projektteile B und C haben die Funktion die hoch aggregierte, statistische Zusammenhangs- und Kausalanalyse in Projektteil A in der Weise zu ergänzen, daß sie auf der Basis von ausgewählten Fallstudien zu einem besseren Verständnis des Zusammenwirkens von Internationalisierung, Arbeitsbeziehungen und Wettbewerbsfähigkeit beitragen sollen.
Projektteil B beschäftigt sich dabei mit der vergleichenden Analyse der Diskurse über Wettbewerbsfähigkeit, wie sie von den Arbeitsmarktverbänden (Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden) und von den (Print)Medien in Österreich und Großbritannien von 1970-94 geführt werden. Diese beiden Länder wurden deshalb ausgewählt, weil sie kontrastierende Systeme der Arbeitsbeziehungen repräsentieren. Im Kontext des Gesamtprojekts liegt die Bedeutung von Projektteil B darin, daß es seine Befunde zum Verlauf der Diskurse über Wettbewerbsfähigkeit in Großbritannien und Österreich möglich machen, zu überprüfen, ob der Diskurs in diesen beiden Ländern sich in einer Weise unterscheidet, die den konstrastierenden Arrangements über Arbeitsbeziehungen entspricht.
Projektteil C analysiert die Regulierungsfunktion der Sozialpartnerschaft Österreichs in drei Politikfächern (Arbeitszeit, verstaatlichte Industrie, Berufsausbildung). In diesem Zusammenhang richtet sich das Forschungsinteresse vor allem darauf, inwieweit die Herausforderung wirtschaftlicher Internationalisierung und Erfordernisse internationaler Wettbewerbsfähigkeit in die Handlungsstrategien eingegangen sind. Über die unmittelbare Analyse des Falls der Sozialpartnerschaft Österreichs sind die Ergebnisse dieses Projektteils für das Gesamtprojekt in zweierlei Hinsicht von Relevanz. Zum einen läßt sich die Analyse der Entwicklungstrends und -perspektiven der Arbeitsbeziehungen, die eine Kernfrage von Projektteil A darstellt, am Beispiel Österreichs politikfeldbezogen fortführen. Dabei geht dieses Projekt auch auf dieser Analyseebene von der Divergenzhypothese aus: daß für die Sozialpartnerschaft kein Trend eines generellen Erosions- und Verfallsprozesses charakteristisch ist, sondern daß ihr regulatives Gewicht je nach Politikfeld variiert. Zum anderen läßt sich im Anschluß an Projektteil C überprüfen, inwieweit die Diskurse der Sozialpartner über Wettbewerbsfähigkeit Eingang in ihre konkreten Handlungsstrategien finden.

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